Geschichtliche Entwicklung von Bidingen
HTML clipboardDie Landschaft des heutigen Gemeindebereichs Bidingen ist von der letzten
Eiszeit geformt worden. Vom Auerberg schob sich der Lechgletscher herein und
seine Ablagerungen blieben als Moränenhügel liegen. Dazwischen bildete sich ein
See, der langsam, vor allem durch die Rinne des Hühnerbachtales, entwässert
wurde. Von diesem See sind einige Reste übrig geblieben: Dachssee, Korbsee und
Bischofsee.
Anzeichen von Sesshaftigkeit können erst mit der Einwanderung der Alemannen um
500 n. Chr. festgestellt werden. Die Gründung Bidingens erfolgte durch Bido. In
der Folgezeit legte sich ein Kranz von Riedorten (Rodungsorten) um den Ort:
Ebenried, Geblatsried, Geislatsried, Königsried, Rudratsried und Wolfratsried.
Reihengräber dieser Siedler fanden sich nördlich des Dorfes am Kirchbichl, die
erstmals 1865 beim Bau eines Hauses entdeckt wurden. Einer dieser Funde, eine
Saxa (zweischneidiges Schwert), befindet sich im Heimatmuseum Kaufbeuren.
Der Dichterprälat Peter Dörfler hat in seinem literarischen Werk "Der Urmeier"
die Frühgeschichte von Bidingen vortrefflich niedergeschrieben.
Demnach ging die Christianisierung der Gegend um Bidingen vom Reichskloster
Stöttwang aus, das 831 n.Chr. dem Kloster Kempten einverleibt wurde und bis zum
Jahre 1256 die grundherrlichen Rechte ausübte.
Von dieser Zeit an wurden die Ritter von Bidingen erwähnt, ihre Siegel führt in
einer etwas stilisierten Form die Gemeinde Bidingen heute in ihrem
Gemeindewappen: Drei gebogene Leisten, die aus der rechten oberen Schildecke
hervorgehen. Die Farben sind nicht überliefert und bei Übernahme wurden die
Farben des Hochstiftes Augsburg (weiß und rot) gewählt, um die seit dem
Spätmittelalter sehr engen Beziehungen des Ortes zu Augsburg zu dokumentieren.
Ab dem Jahre 1408 wechselte der Ort mehrmals seinen Besitzer, bis ein
wohlhabender Kaufbeurer Bürger namens Konrad Wälsch uneingeschränkter Grundherr
wurde. Er vermehrte den Besitz und erweiterte die erstmals im Jahre 1220
erwähnte Pfarrkirche.
Im Jahre 1506 wurde das Dorf samt Einwohner um 4 350 Gulden an den Augsburger
Bischof Heinrich verkauft. Ein bischöflicher Richter saß im Dorf, Gerichtsort
war der Hügel südlich der Kirche, wo heute die Kreuzlinde steht. Elf Höfe, 33
Sölden, eine Taverne (Wirtshaus), eine Metzge, eine Mühle und eine bischöfliche
Badstube waren vorhanden.
Wegen unerklärlicher Sterbefälle an Menschen und Vieh kam die Vermutung auf,
dass hier Hexerei im Spiele sei und es kam in den Jahren 1590 bis 1592 zu
Hexenprozessen. Insgesamt 12 Frauen wurden in Bidingen wegen Hexerei und
Zauberei vom Scharfrichter von Marktoberdorf verbrannt.
Zahlreiche Truppendurchzüge während des 30jährigen Krieges sind bekannt. 1632
haben die Schweden die Schilcher- und Haldenmühle zerstört. Die bei der
Hühnerbachregulierung gefundenen Hufeisen sind dieser Zeit zuzuschreiben. Die
Pest wütete in den Jahren um 1633, so dass die Hälfte der Einwohner starb.
Die Kalvarienbergkapelle wurde 1670 zu Ehren der Schmerzensmutter erbaut. Bis
zum Jahre 1775 hatten dort auch Passionsspiele und Kreuztragungen stattgefunden.
Heute finden auf dem Kalvarienberg Andachten und Taufen sowie die Kräutersegnung
zu Maria Himmelfahrt statt. Die Kreuzwegstationen und die Kapelle mit ihrer
Gruft und den drei großen Holzkreuzen sind auch Ziel vieler auswärtiger
Gläubiger.
Frühzeitig wurde im Dorf eine gut funktionierende Wasserversorgung gebaut; 1708
ist schon von einem Geislatsrieder Wasserbrunnen die Rede. Die Wasserversorgung
wurde mehrmals erweitert und im Jahre 1971 durch einen Tiefbrunnen ersetzt.
Durch die im Jahre 1803 erlassene Gemeindeordnung wurde Bidingen dem Landgericht
Oberdorf (heute Marktoberdorf) zugeordnet. Der Ort zählte damals mit seinen
dazugehörigen Weilern und Einöden 619 Einwohner.
Die Schule, bisher nur eine freiwillige und kirchliche Einrichtung, wurde
Pflichtschule. Als erstes Schulhaus diente das Mesnerhaus neben der Kirche.
Bidingen dürfte schon sehr früh im Besitz einer Kirche gewesen sein, sie wurde
erstmals im Jahre 1220 erwähnt. 1738 wurde sie erhöht und in den Jahren danach
mehrmals umgebaut und vergrößert. Der Turm wurde von 1907 bis 1909 erneut erhöht
und erhielt eine Zwiebelhaube. Die prächtigen Kirchenglocken haben den ersten
Weltkrieg überstanden, mussten aber während des zweiten Weltkrieges am 04. Mai
1942 abgeliefert werden. Im November 1948 wurden in Kempten vier neue Glocken
gegossen. Der Dichter Peter Dörfler, der sich gerne in Bidingen aufhielt,
erteilte diesen Glocken die kirchliche Weihe.
Etwas über 700 Einwohner zählte die Gemeinde am Ende des Zweiten Weltkrieges.
Für 510 Heimatvertriebene, meist aus dem Sudetenland musste Platz gemacht werden
und die Einwohnerzahl stieg bis Ende des Jahres 1946 auf 1 270 an. Nach der
Währungsreform im Jahre 1948 verließen jedoch viele wieder das Dorf, um in den
umliegenden Industrieorten Biessenhofen, Marktoberdorf und Kaufbeuren eine
Arbeit aufzunehmen.
Auch für Bidingen begann nach dieser Reform eine Aufwärtsentwicklung, Zug um Zug
wurden etwa 20 km Orts- und Gemeindeverbindungswege gebaut. Durch die
Regulierung des Hühnerbaches mit einem Kostenaufwand von nahezu einer Million
Mark in den Jahren 1959 bis 1962 konnten etwa 300 Tagwerk nasse und sumpfige
Wiesen nutzbar gemacht werden.
In den Jahren 1974 bis 1976 wurde mit viel Eigenleistung die Turn- bzw.
Mehrzweckhalle erbaut. Unter anderem sind hier ein Kindergarten, eine
Gastwirtschaft, eine Kegelbahn sowie verschiedenen Vereinsräume unter einem Dach
vereint. Der anschließende Sportplatz, dessen Erweiterung im Jahre 2003 fertig
gestellt werden konnte, bietet dem Sportverein mit derzeit über 800 Mitgliedern
und allen Sportbegeisterten viele Möglichkeiten. Außerdem wurde im Herbst 1974
mit dem Bau eines vereinseigenen Skilifts begonnen, der bis heute in Betrieb
ist.
Bei der Gemeindereform in den Jahren 1977/78 wurde die Nachbargemeinde Bernbach
mit 470 Einwohnern in die Gemeinde Bidingen eingegliedert und der
Verwaltungsgemeinschaft Biessenhofen zugeschlagen. Bidingen allein war vor der
Gebietsreform im Jahre 1972 mit 2366 ha die flächenmäßig größte Gemeinde des
Altlandkreises Marktoberdorf.
Der ehemalige Pfarrhof in Bernbach wurde renoviert und im Jahre 1991 konnte dort
ein zweiter eingruppiger Kindergarten eröffnet werden. Die alte Schule in
Bernbach wurde in den Jahren darauf ebenfalls umgebaut. Dort entstand eine
Gaststätte mit Saal und Terrasse sowie Wohnung. Außerdem sind dort der
Schützenverein Alpenblick und die Blaskapelle Bernbach mit ihren Vereinsräumen
untergebracht.
Im Jahre 1995 ging die neu gebaute Kläranlage der Gemeinde in Betrieb und in den
darauf folgenden Jahren wurde Bidingen mit annähernd allen Ortsteilen an die
gemeindliche Abwasserentsorgung angeschlossen. Im Zuge dieser Baumaßnahme wurden
auch die zentrale Wasserversorgung und die vom Kanal betroffenen Straßen
ausgebaut. Ebenfalls in dieser Zeit entstanden neue Baugebiete in Bidingen,
Bernbach, Tremmelschwang und Ob, so dass jungen Familien die Möglichkeit für den
Bau eines Eigenheims möglich war.
Der Wandel in der Abfallwirtschaft machte auch in Bidingen den Bau eines
Wertstoffhofes notwendig. Im Jahre 1999 konnte dieser mit integriertem Bauhof am
westlichen Ortsausgang eingeweiht werden. Das Gebäude dient regelmäßig auch als
Feststadel.
Da die Alte Schule in Ob verkauft wurde, verloren der Schützenverein
Schützenlust Ob ihr Schützenheim. Mit großer Eigenleistung erbauten sie auf dem
ehemaligen Bolzplatz ein Schützen- und Vereinsheim, das im Frühjahr 2007
eingeweiht wurde.
Entgegen mancher demographischen Statistik gibt es in Bidingen viele Kinder und
Jugendliche, was den Neubau einer Grundschule für sinnvoll und notwendig machte.
Da die Finanzlage der politischen Gemeinde sehr angespannt ist wurde das Gebäude
in der Dorfmitte im Rahmen eines schwabenweit einzigartigen Bürgerprojekts
errichtet. Rund 250 Bürgerinnen und Bürger arbeiteten in Eigenleistung unter der
vorbildlichen ehrenamtlichen Bauleitung von Manfred Burkhart. Nach nur 13
Monaten Bauzeit konnte im März 2008 die neue, moderne Grundschule bezogen
werden. Außerdem sind im Gebäude ein neues Feuerwehrgerätehaus sowie ein
Proberaum für die Musikkapelle Bidingen integriert, die ebenfalls in
Eigenleistung erbaut wurden.
Das angrenzende, denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen Zechenwirtschaft, das
bereits vor vielen Jahren von der Gemeinde erworben wurde, kam im Rahmen des
Schulhausneubaus wieder ins Gespräch. Noch bevor mit dem Bau der Grundschule
begonnen wurde übernahmen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die arbeitsintensive
Sanierung des Gebäudes ebenfalls in freiwilliger Eigenleistung. Unter der
Federführung von Manfred Burkhart entstand in nur wenigen Monaten ein
Schmuckstück in der Dorfmitte. Im August 2007 konnten dort Gemeindekanzlei mit
Sitzungssaal, Pfarrheim und Pfarr- und Gemeindebücherei einziehen.
Seit der Währungsreform 1948 hat sich die Gemeinde kontinuierlich weiter
entwickelt, so dass heute fast alle Einrichtungen eines Kleinzentrums vorhanden
sind: Grundschule, 2 Kindergärten, Pfarramt. Pfarr- und Gemeindebücherei,
Gasthäuser, Bäcker, Metzger, Lebensmittelgeschäft, Käserei, Allgemeinarzt,
Tierarzt, Architekt, Bank, zahlreiche Handwerksbetriebe, landwirtschaftliche
Betriebe, Kläranlage, Wertstoffhof, Feuerwehren, Mehrzweckhalle mit Sportanlagen
und Kinderspielplätze. Trotz dieser lang anhaltenden positiven Entwicklung ist
auch in der Gemeinde seit einigen Jahren ein Strukturwandel, besonders in der
Landwirtschaft, festzustellen. Eine große Zunahme ist in den vergangenen Jahren
bei den Gewerbetreibenden, vor allem im Bereich Kleingewerbe, festzustellen. In
der Gemeinde Bidingen sind insgesamt 135 Gewerbebetriebe registriert.
Das Vereinsleben in der gesamten Gemeinde ist sehr aktiv. Die insgesamt 25
Vereine bieten eine große Bandbreite an Freizeitaktivitäten und leisten einen
erheblichen Beitrag zur Jugendarbeit.
Im Jahre 2007 hatte die Gemeinde Bidingen mit ihren 15 Ortsteilen eine Fläche
von 3 631 ha und zählte 1696 Einwohner (Stand 01.03.2007):
| Bidingen, Ebenried |
882 |
| Bernbach, Zeller |
321 |
| Langweid, Geblatsried |
50 |
| Geislatsried |
66 |
| Birkenau, Korbsee, Ob, Etzlensberg |
181 |
| Tremmelschwang |
145 |
| Weiler |
24 |
| Ruderatsried, Königsried |
27 |
Die Gemeinde Bidingen prüft derzeit weitere Möglichkeiten der
Wasserversorgung, da der Tiefbrunnen aufgrund seiner schlechten Schützbarkeit
nicht mehr vorgehalten werden kann. In naher Zukunft wird auch immer wieder der
Hochwasserschutz Thema sein. Hierzu hat sich die Gemeinde Bidingen mit allen an
den Hühnerbach und Gennach anliegenden Gemeinden zu einem Zweckverband
zusammengeschossen, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
zusammengestellt von Irmgard Schnieringer
Das Wappen
Bidingen befand sich im Hochmittelalter unter der Herrschaft des Fürststiftes
Kempten; die Herrschaftsrechte wurden von einem am Ort ansässigen
Vasallengeschlecht, den Herren von Bidingen, wahrgenommen. Diese noch im 14. Jh.
nachweisbare Familie führte einen sog. Regenbogen (drei gebogene Leisten, die
aus der rechten oberen Schildecke hervorgehen) im Wappen. Da die Farben nicht
überliefert sind, wurden bei der Übernahme des Adelswappen für das
Gemeindewappen die Farben des Hochstiftes Augsburg (Weiß - Rot) gewählt, um die
seit dem Spätmittelalter sehr engen Beziehungen des Ortes zu Augsburg zu
dokumentieren.
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Was wollten die Herren von Bidingen
mit dem Regenbogen ausdrücken?
Mag das besondere Leuchten des siebenfarbigen Regenbogens von den Höhen des
Sachsenrieder Forstes aufsteigend, über das Kalte Tal, bis hinüber nach
Bernbach der Anlass zum damaligen Adelswappen gegeben sein?
Wir wissen es nicht. Fest steht aber, dass es sich um ein hervorragendes
Symbol handelt, das die Vorfahren dem Naturgeschehen entnahmen: Sonne und
Regen, verantwortlich für alles Wachstum in der Natur; der Regenbogen, die
Verbindung zwischen Erde und Himmel. |
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